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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 01. Dezember 2011 um 15:21 Uhr Geschrieben von: Christina Donnerstag, den 01. Dezember 2011 um 13:11 Uhr


Aber nicht nur seine! Wir wandern gerne mit unseren Eseln und Kindern durch den Oberen Bayerischen Wald und genießen, im wortwörtlichsten Sinne des Wortes, unbeschwert die Natur. Racalho, Tamara und Wutzi-Wutzi tragen mit viel Vorsicht und Geschick die Kinder und das Gepäck über unwegsame Pfade und durch Engstellen.
Esel stammen ursprünglich aus Afrika und dort aus Wüsten- und Gebirgsgegenden. Sie sind sehr vorsichtig, da sie sich eine überstürzte Flucht dort nicht leisten können, ohne Gefahr zu laufen sich zu verletzen. Außerdem sind sie sehr darauf bedacht, Ihr Gepäck unversehrt ans Ziel zu bringen. Sollte dieses verrutschen oder zu breit für einen Durchgang sein, bleibt der Esel lieber stehen und meldet seinem Menschen damit: Hallo, schau mal nach da stimmt etwas nicht! Dies tut er auch wenn sich das Gewicht seiner Last als zu hoch und somit gesundheitsschädlich für ihn herausstellen sollte oder er sich in der gegenwärtigen Situation ängstlich oder überfordert sieht.
Der Esel ist kein Fluchttier wie das Pferd. Dieser Eigenschaft haben wir auch die Verbreitung des Esels als überaus arbeitswilligen Mitarbeiter zu verdanken. Die Römer beobachteten bei ihren Feldzügen in Afrika, dass die Esel nicht so ängstlich sind wie Pferde und nicht weiter fliehen als unbedingt notwendig. Das Gepäck und die Vorräte lassen sie somit nach einem Überfall oder einer Schlacht leichter wieder beschaffen. Diesen Vorteil weiß jeder zu schätzen, der schon mal längere Zeit auf der Koppel versucht hat sein Pferd zu fangen und sich dies auf einer freien Wiese bestimmt noch länger gestaltet.
Aber selten ein Vorteil ohne Nachteil: der Esel ist schwer zu etwas zu überreden wenn er dessen Notwendigkeit nicht einsieht. Racalho sieht es beispielsweise nicht ein, eine gerade passierte Straße ein Stück weiter vorne nach der Überquerung einer Ampel nochmal zu überqueren. Er fragt jedes Mal nach ob wir denn auch sicher sind was wir tun und ob es nicht sinnvoller gewesen wäre gleich auf der „richtigen“ Seite zu bleiben und so Wegstrecke einzusparen. Auch Abkürzungen über Wiesen, die nicht immer begehbar sind (Wachstumsperiode!) vermeiden wir, weil es manchmal schwierig sein kann unseren Eseln zu vermitteln warum wir jetzt den längeren Weg gehen. Kurzum die Wanderungen können sehr ruhig und glatt ablaufen oder viele Abenteuer beinhalten.
Die Wegführung auf einer Wanderung kann durchaus anspruchsvoll sein. Esel sind als Gebirgsbewohner sehr trittsicher und können an steilen Stücken auch ganz sich selbst überlassen werden. Sie suchen sich dann den sichersten Weg und der Mensch kann dem Tier einfach folgen. Bei der nächsten Gelegenheit Essbares zu ergattern wird der Esel ohnehin wieder stehenbleiben und erst einmal „Brotzeit“ machen bis sein Mensch wieder da ist. Dann kann man sich ja wieder was einfallen lassen: weitergehen, fangen spielen (was in beide Richtungen funktioniert), oder einfach weiter essen. Als sehr sozial geprägtes Tier versucht der Esel immer wieder von sich aus Kontakt zum Menschen aufzubauen. So muss man sich im Klaren sein, ein neuer Mensch auf der Koppel hat bestimmt etwas leckeres dabei oder hat tolle Ideen für neue Spiele...
Nach unserer Erfahrung sind auch Brücken (fest oder schwimmend) und Treppen oder ähnliche Hindernisse keine wirklichen Hindernisse. Nach eingehender Prüfung, das kann etwas dauern, überwiegt bei unseren Esel das Vertrauen zu uns und die Stelle wird problemlos passiert. Wirklich zum Hindernis werden die Dinge erst, wenn man Druck aufbaut und unbedingt meint es müsste jetzt sofort gehen. Racalho und Tamara machen uns das auf der Koppel auch immer wieder deutlich. Wenn wir Stress haben, also „unter Strom stehen“, gehen sie gezielt weg von uns und kommen erst wieder zu uns wenn wir uns beruhigt haben. Unter Termindruck oder mit Zuschauern ist das manchmal ziemlich schwierig. Trotzdem, ruhig bleiben und „Eselsgeduld“ beweisen, dann geht es meist schneller als angenommen.
Für längere Touren oder wenn die Esel allein bleiben sollen hat sich bei uns ein Erdpfahl mit Gewinde und mit drehendem Anbindeschäkel bewährt. Damit lassen sich die Tiere sicher und flexibel fast auf jedem Untergrund befestigen. Wenn Tamara und Racalho gemeinsam unterwegs sind reicht es sogar aus einen der beiden an zu binden. Der andere bewegt sich nicht weiter als ca. 20 Meter weg. Dies ist aber nicht zur Nachahmung empfohlen und wir haben es auch nur durch Zufall herausgefunden. Einer unserer „Entfesselungskünstler“ hatte sich befreit und wir merkten es erst zum Ende der Rast.
Decken (vor allem gegen Wasser von oben) sollte man genauso wenig wie Beleuchtung für die Tiere und die Warnweste vergessen. Unsere Esel haben kein Problem mit Dämmerung oder Dunkelheit. Nur wechselnde Lichtverhältnisse (z. B. Auto kommt von hinten und fährt vorbei) verunsichern und können Zwischenstopps verursachen. Auch wenn die Esel und erfahrene Wanderer meist recht schmerzunempfindlich sind und über gute Ausrüstung verfügen, sollte sich die Erste- Hilfe-Ausrüstung im Gepäck von selbst verstehen. Die gesamte Ausrüstung sollte auf kürzeren Strecken getestet und evtl. Anpassungen vorgenommen oder zusätzliches beigefügt werden.
Futter und Wasser nehmen unsere Tiere meist auf, wo sich gerade Gelegenheit bietet. Esel sind sehr leichtfuttrig und finden ihr Futter meist am Wegrand. Vorsicht sollte man in der Nähe von Gärten walten lassen. Viele Gartenpflanzen sind auch für unsere Esel giftig. Das Wasser ist in geringen Mengen von unten oder in jeder Menge von oben nicht das Ding unserer Esel. Wasserpfützen werden strikt gemieden. Bäche oder Wasserläufe jedoch zum Trinken gern genutzt. Aber nasse Füße sind denkbar unbeliebt.
Außerdem haben wir hier in Furth im Wald ausgesprochen widerwärtige Kanaldeckel. Vor allen anderen glaubt nämlich Wutzi-Wutzi, dass sich diese Störenfriede auftun und kleine Esel fressen. Bisher hat sich ein solcher Fall allerdings noch nicht ereignet. Gerade auf verkehrsreichen Straßen sollte man diese Eigenart seines Tieres aber kennen und berücksichtigen.
Mit diesen kleinen Tipps im „Gepäck“ haben wir bisher noch alles mit Esel und Co. geschafft und unser Leben hat durch die bewusste Wahrnehmung von innerer Ruhe sehr gewonnen. Danke Racalho, Tamara und Wutzi-Wutzi.
Langohrig Grüße
Christina
Anmerkung von Bjørn:
Frau Christina Ertl-Meißner könnt Ihr unter: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. per Mail kontaktieren.